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Wettbewerbsgalerie

Kunst am Bau

für die GNUE Polizeiinspektion Magdeburg einschließlich Polizeiinspektion Zentrale Dienste, Haus 4 und Außenanlagen 2025

Im Rahmen der Baumaßnahme Große Neu-, Um- und Erweiterungsbauten des Landes für die Polizeiinspektion Magdeburg einschließlich Polizeiinspektion Zentrale Dienste (kurz: GNUE PI MD) wird deren bisheriges Gelände in verschiedenen Teilbaumaßnahmen umfassend saniert und erweitert. Für Haus 4 und die Außenanlagen wurde in 2025 ein Wettbewerb Kunst am Bau durchgeführt als bundesweit offener, zweistufiger Wettbewerb. Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler konnten in der ersten Wettbewerbsstufe wahlweise einen Entwurf für den Standort Haus 4 oder für den Standort Außenanlagen einreichen, oder für beide Wettbewerbsstandorte ein Gesamtkonzept einreichen. In der ersten Wettbewerbsstufe haben 59 Künstler aus dem ganzen Bundesgebiet teilgenommen, von denen 13 zur Weiterbearbeitung in die zweiten Wettbewerbsstufe geladen wurden. Die Veröffentlichung der Auslobung erfolgte am 5. Februar 2025. Das Preisgericht der zweiten Stufe tagte am 6. November 2025 und wählte aus den überarbeiteten Entwürfen die Plätze 1 bis 3 je Kunststandort. Die Siegerentwürfe (1. Plätze) befinden sich nun in der Realisierung. Im Folgenden werden die Entwürfe und Preisträger/innen der zweiten Wettbewerbsstufe anhand der eingereichten Präsentationstafeln vorgestellt. Darüber hinaus standen dem Preisgericht zusätzlich Modell und Materialproben zur Verfügung.

1. Platz

HAUS IV

„DIE STERNE“ – Susanne Ahner, Berlin

Das Kunstwerk besteht aus einer raumgreifenden Liniengrafik aus retroreflektierender Pigmentfarbe und bespielt alle Wände des Foyers EG bis 3.OG inklusive dem Treppenraum. Die Liniengrafik basiert auf dem Stern der Polizei Sachsen-Anhalt. Das Motiv des Polizeisterns ist dabei stark abstrahiert, geschoßübergreifend angeschnitten und nie im Ganzen wahrnehmbar. Retroreflektierende Elemente sind bekannt von Warnwesten und Leuchtstreifen auf Einsatzwagen. Beim Eintreten in das Gebäude leuchten feine Linien auf, die im Vorübergehen wieder verschwinden, dafür leuchtet es an einer anderen Stelle. Die zarten, hellen Linien bilden Schlaufen und Sterne, sie sind weitläufig auf allen Wänden der Foyers und des Treppenaufgangs angebracht und verdichten sich partiell. Der Entwurf überzeugt, da er sich mit dem gesamten Raum und der Architektur auseinandersetzt. Er ergänzt sich mit der denkmalpflegerischen Gestaltung und bringt trotzdem einen eigenständigen künstlerischen Beitrag in die Architektur ein. Der Effekt der Wandelbarkeit der retroreflektierenden Liniengrafik setzt den/ die Besucher/innen mit der Architektur in der eigenen Bewegung in Beziehung. Auch das Motiv wirkt durch die stark abstrahierten Anschnitte nicht vordergründig, erschließt sich erst sukzessive und kann mit immer neuen Wahrnehmungen in unterschiedlichen Lichtsituationen die Benutzer/innen überraschen. Der Entwurf schafft auf elegante, unaufdringliche Weise ein zeitgenössisches Pendant zur Architektur und der denkmalgerechten Gestaltung.

1. Platz

AUßENANLAGEN

„VERBINDUNG – FREI UND GLEICH GEBOREN“ – Andreas Schmitten, Neuss

Das Kunstwerk am Standort 2.1 besteht aus einem Feldahorn mit einer Höhe von 3 bis 4 m und einer Kopie seines Stammes aus Aluminium. Der echte Baum wird neu gepflanzt, der Aluminiumstamm dauerhaft im Boden verankert. Der wachsende Baum wird sich über die Jahre verändern und sich dem künstlichen Baum gegenüber verhalten. Der Baum als lebendiger Organismus verweist auf Prozesse, die nicht vollständig kontrollierbar, aber gestaltbar sind. Die Skulptur reagiert auf das Leitmotiv der Polizei Sachsen-Anhalt „Egal was morgen ist – wir sind da und helfen mit“, indem sie gleichzeitig Verlässlichkeit und Veränderung verkörpert. In beiden Stämmen wird der Titel der Arbeit: „Verbindung – frei und gleich geboren“ eingeprägt und somit permanent lesbar. Der Entwurf überzeugt besonders durch das Prozesshafte, dem innewohnenden Konzept der Veränderung und wird als Sinnbild für einen Neustart wahrgenommen. Die Arbeit wird am gewählten Standort eine repräsentative Wirkung entfalten. Der Bezug zur Polizei entsteht durch die Arbeit mit den Gegensätzen wie Natur – Skulptur, unveränderlich – wandelbar etc. Durch die Duplikation wird der Wandel der Gesamtform über die Jahrzehnte hinweg immer stärker ablesbar und steht auch als Symbol für die Veränderungen in der Gesellschaft. Als reizvoll wird erachtet, dass der konzeptionelle, offene Ausgang positives Potential für die Öffentlichkeitswahrnehmung darstellt. Das Kunstwerk an sich besitzt die Kraft, eine individuelle Auseinandersetzung zu ermöglichen und Identifikationspotential zu schaffen.

2. Platz

GESAMTKONZEPT FÜR HAUS IV UND AUßENANLAGEN

„SPRACHRAUM POLIZEI“ – Sibylle Hofter, Schnega-Billerbeck

Der Entwurf liefert ein Gesamtkonzept für den Innen- und den Außenbereich. Haus 4: Vom Foyer bis ins Dachgeschoss sind Begriffe aus dem polizeilichen Sprachgebrauch installiert als Putzarbeit. Die Sprache der Polizei bildet eine eigene Sphäre jenseits der Alltagssprachlichkeit (z.B. „Lichtzeichenanlage“ oder „Gebrauchsanmaßung“) und trägt zur Identitätsbildung bei. Die Begriffe zu dekontextualisieren und in einen räumlichen Zusammenhang zu stellen, gibt ihnen buchstäblich Raum, um aus ihrer Selbstverständlichkeit auszubrechen und die innewohnenden Narrative zu betrachten. An teils überraschenden oder schwer einsehbaren Situationen erscheinen sie an verschiedensten Wandbereichen im Treppenhaus und Etagen. Wichtig dabei ist, dass die Bezüge zu den Funktionen der Räume/ Verortung subtil bleiben. Teil des Kunstwerkes ist ein bisher fiktives Buches über das Verhältnis von Polizei und Gesellschaft. Dieses ungeschriebene Buch ist Teil der Installation. Der Sprachraum Polizei wird konzeptionell fortgesetzt im Außenraum, hier mit Schriftzügen als Sonderanfertigungen in Verbundsteinpflaster. Begriffe aus dem polizeilichen Sprachgebrauch sind in den Hauptgehrichtungen zwischen Haus 2 und Kantine und auf dem Trainhof installiert. Zudem beinhalten die Begriffe Verweise auf Kapitelüberschriften des fiktiven Buches über das Verhältnis von Polizei und Gesellschaft. Sie sind in den weniger frequentierten Laufrichtungen zwischen den Parkplätzen lesbar. Am Rand des Trainplatzes unter den Bäumen befinden sich deutlich kleiner ausgeführte Legenden zu den Abkürzungen.  Das Konzept überzeugt inhaltlich über den Umgang mit Sprache und Begrifflichkeiten. Es ist subtil, poetisch, nicht plakativ, entwickelt Hintersinn und Humor. Zudem eröffnet er als einziger Entwurf eine partizipative Mitwirkung der Nutzer/innen.

3. Platz

HAUS IV

TRAGWERK“ – Veronike Hinsberg, Berlin

Der Entwurf zeigt eine Deckengestaltung im 1. OG im Bereich der historischen Gewölbedecken mit schablonierten Bändern und Schriftzügen. Auch die Säulenkapitelle sind goldfarben gefasst. An den Kanten des Kreuzrippengewölbes verlaufen Schriftbänder. Die Begriffe und Nominalphrasen, die goldschimmernd an den Gewölbekannten lesbar sind, entstammen dem Grundgesetz (hier §1 - §20). Sie zeichnen die Bögen nach, die das Deckengewölbe stützen. Sie betonen damit Konstruktion und Geometrie der Decke, die sich über den Köpfen der Mitarbeiter und den Besuchern der Polizeiinspektion aufspannt. So wie das Tragwerk ein Bauwerk stützt und trägt, so bildet das Grundgesetz das unsichtbare, aber unverzichtbare Gerüst unserer Demokratie: Es verteilt die Kräfte, begrenzt die Lasten und eröffnet einen Freiraum. Es ist, im übertragenen Sinn, ein Tragwerk für ein demokratisches Miteinander. Die künstlerische Herangehensweise ist solide und ästhetisch ansprechend. Das Kunstwerk greift das denkmalgerechten Gestaltungskonzept mit dunklen Doppelstreifen an den Gewölberippen auf und unterbricht es gleichzeitig durch die goldene Farbigkeit. Das Konzept nicht auf alle Etagen zu übertragen, überzeugt durch die bewusste Kontrastsetzung. Die gewählte Thematik entspricht dem Selbstbild der Polizei und regt zur Kommunikation über Werte an.

3. Platz

AUßENANLAGEN

EIN KREISEL“ – Heimo Lattner und Bernd Trasberger, Berlin

Ausgangspunkt der Skulptur ist der Sakai-Kreisel des japanischen Physikers Takao Sakai, ein aus einer Büroklammer gebogener Kreisel. Die Skulptur skaliert diesen zu einer schlanken Raumzeichnung von 8 m Höhe. Es verbinden sich ästhetische und symbolische Elemente. Ein Kreisel steht nur stabil, solange er sich vertikal um seine Achse dreht und die Masse seines Körpers exakt über seiner Basis rotiert. Somit steht er für das sensible Gleichgewicht zwischen den drei Säulen der Demokratie: Legislative, Exekutive und Judikative. Der Kreisel als skulpturale Setzung dient nicht nur als Blickfang, sondern auch der Schaffung eines dialogischen Raumes zwischen der Polizei und der Gesellschaft. Er steht inhaltlich als Sinnbild für das Gleichgewicht in der Gesellschaft und kann in dieser Hinsicht auch positiv als Symbol für die Polizeiarbeit gelesen werden. Die plastische Formfindung des Entwurfes überzeugt durch seine skulpturale Präsenz. Die skulpturale Aussagekraft besteht in der Konzentration auf das Wesentliche. Die gewählte Höhe schafft eine weithin sichtbare Landmarke,
wirkt dabei aber nicht monumental. Die Skulptur wird ergänzt durch einen Bepflanzungsvorschlag. 

Entwürfe der 2. Stufe ohne Platzierung

"About the light, I never knew what to say." – Carolina Pérez Pallares

"Schnittstelle I Grenzerscheinung" – Ute Vorkoeper

"Abstrakte Gefährdungslage" – Peter Sandhaus

"Daumen hoch!" – Torsten Mühlbach und Gregor Passens

"Ermessen" – Situation Room, Kai-Hendrik Windeler & Sven Bergelt

"Siotwo" – Atelier Michael Lönne und Jörn Neumann

"Blaues Licht" – Marieke Schwartz und Michael Krenz

"Labyrinth" – Issa George und Martyna Przemyslaw